Zum Monatsspruch im August 2026:
Ich sehne mich nach einem Leben, das nicht nur „funktioniert“, sondern das uns erfüllt.
Nach Tagen, die nicht nur voll sind, sondern reich.
Nach Beziehungen, die nicht nur bestehen, sondern tragen.
Nach einer Welt, in der wir nicht ständig um das Nötigste kämpfen müssen – sei es Zeit, Kraft, Frieden oder Hoffnung. Sie auch?
Im Gespräch mit Menschen, auch in unserer Gemeinden, sehnen sich viele nach Frieden auf der Welt, aber auch in der Familie. Manche sind im Stimmungstief der Überforderung. Manche spüren auch ihre Ohnmacht und ihre Einsamkeit. Manchen kommt dabei auch die Frage nach dem Sinn, den man erleben möchte.
Diese Sehnsüchte und Wünsche sind zutiefst menschlich. Und sie sind heilig, man könnte fast sagen: Jesus nimmt sie ernst, denn er spricht auch nicht von einem Leben im Minimum, sondern von einem Leben in Fülle.
Gleichzeitig merken wir: Unsere Vorstellungen von Fülle sind oft verstrickt in das, was uns über Jahre beigebracht wurde: Fülle heißt: mehr haben, mehr leisten, mehr erleben, mehr absichern.
Hat diese Art von Fülle uns nicht ziemlich erschöpft?
Zumindest hat sie die Welt ausgebeutet, Menschen überfordert und Beziehungen ausgedünnt. Und sie hat uns vielfach blind gemacht für die, die unter unserer Fülle gelitten haben.
Jetzt, wo Sicherheiten bröckeln und Verunsicherung durch verschiedenste Ereignisse in der Welt uns nahe kommen, merken wir: Die alte Fülle trägt nicht mehr. Sie hatte auch etwas Oberflächliches. Sie stellte sich gut dar, aber sie war oft nicht echt und tat nicht gut.
Was Jesu mit „Fülle“ meint ist anders. Fülle ist bei Ihm nicht aufdringlich. Materiell gesehen ist sie nicht verschwenderisch, nicht abhängig von Besitz oder Erfolg. Sie wächst leise und muss manchmal entdeckt werden – sie entsteht wie das Vertrauen zwischen Menschen. Sie zeigt sich in Beziehungen, die heilen. In Trost, der trägt. In Gerechtigkeit, die teilt. Liebe, die nicht fragt, ob es sich lohnt.
Diese Fülle ist kein Überfluss, sondern ein Lebenselixier.
Kein Luxus, sondern ein Lebensgrund. Fülle entsteht dann dort, wo jemand zuhört, wo jemand mitträgt, wo jemand teilt, wo jemand Hoffnung ausspricht.
Vielleicht ist das die Fülle, die Jesus meint:
Ein Leben, das nicht perfekt ist, aber getragen.
Nicht glänzend, aber echt.
Nicht übervoll, aber erfüllt.
Vielleicht ist dieser Monatsspruch eine Einladung, neu zu fragen: Was macht unser Leben wirklich reich?
Wo können wir Fülle teilen, statt sie zu horten?
Wie können wir Räume schaffen, in denen Menschen aufatmen?
Gebet:
Gott, du Quelle des Lebens, lass uns spüren, was wahre Fülle ist. Heile unsere erschöpften Herzen.
Öffne unsere Augen für das, was trägt.
Mach uns mutig, zu teilen, was wir haben, und dankbar für das, was du gibst.
Schenke uns ein Leben, das nicht nur voll, sondern erfüllt ist. Amen.
Mit freundlichen Grüßen zur Sommerzeit
Ihr Pfarrer Christoph Sames